Wie können die Geschichten von Holocaust-Überlebenden auch dann weitergetragen werden, wenn immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen persönlich berichten können? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Arbeit des ZWEITZEUGEN e.V., dessen Mitarbeitende Anfang Juni Workshops für alle Schüler*innen der Jahrgangsstufen 9 und 10 am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium durchführten. Die Workshops fanden für die 9. Klassen am 01.06.2026 sowie für die 10. Klassen am 10.06.2026 statt. Jede Klasse nahm dabei an einem dreistündigen Workshop teil.
Im Mittelpunkt standen die Auseinandersetzung mit dem Holocaust/mit der Shoa, die Geschichte des Antisemitismus sowie die historischen und gesellschaftlichen Hintergründe der Zeit des Nationalsozialismus. Zu Beginn wurde das Vorwissen der Schüler*innen aufgegriffen und in den historischen Kontext eingeordnet.
Besonders eindrücklich war eine Übung, bei der die Schüler*innen zunächst ihren eigenen alltäglichen Tagesablauf betrachteten. Anschließend wurden nach und nach all jene Aktivitäten, Orte und Möglichkeiten gestrichen, die jüdischen Menschen durch die zunehmenden antisemitischen Gesetze und Ausgrenzungsmaßnahmen nicht mehr offenstanden. Auf diese Weise wurde anschaulich verdeutlicht, wie tiefgreifend die nationalsozialistische Verfolgung in das tägliche Leben der Betroffenen eingriff und deren Handlungsspielräume immer weiter einschränkte.
Ein weiterer zentraler Bestandteil des Workshops war die Beschäftigung mit den Lebensgeschichten der Zeitzeugen Margot Friedländer, Rolf Abrahamsohn und Djordje Alpar. Anhand von Interviewausschnitten erhielten die Schüler*innen einen persönlichen Einblick in deren Erfahrungen während der Zeit des Nationalsozialismus. Dieser biografische Zugang ermöglichte einen besonders anschaulichen Zugang zur Geschichte und wurde von vielen Teilnehmenden als interessant und bewegend wahrgenommen.
Der Workshop war durch informative Präsentationsphasen geprägt, die durch verschiedene Gesprächs- und Reflexionsanlässe ergänzt wurden. Dadurch erhielten die Schüler*innen zahlreiche Denkanstöße und konnten sich intensiver mit einem wichtigen Kapitel deutscher Geschichte auseinandersetzen. Ziel des Projekts ist es, die Erinnerungen und Erfahrungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen weiterzutragen und so das historische Bewusstsein sowie die Verantwortung für ein respektvolles und demokratisches Miteinander zu stärken.
Wir bedanken uns herzlich beim ZWEITZEUGEN e.V. für die Organisation und Durchführung der Workshops. Unser Dank gilt außerdem der Bezirksregierung Düsseldorf, dem Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen sowie Frau Lindenberg und Frau Karakaya vom Förderverein des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums für die Unterstützung und Förderung dieses wichtigen Projekts.
Ein besonderer Dank geht auch an unsere Schüler*innen für ihre Aufmerksamkeit, ihr Interesse und ihre aktive Beteiligung während der Workshops. Wir hoffen, dass sie die gehörten Geschichten weitertragen und selbst als „Zweitzeug*innen“ dazu beitragen, Erinnerung lebendig zu halten und ein Zeichen gegen Antisemitismus, Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit zu setzen.


