Wie kann es sein, dass Alexander von Humboldt heute noch aktuell ist, obwohl sich die Wissenschaft und Gesellschaft mehr als 200 Jahre lang weiter entwickelt hat. Alexander von Humboldt erforschte unzählige Tiere, Pflanzen, Berge, Stoffe und sogar Sprachen. Er war unheimlich neugierig und fleißig. Letztendlich merkte er aber, dass sein Wissensdurst nicht durch die immer weitere Erforschung von Naturereignissen gestillt werden konnte. Er wollte nicht nur wissen, sondern verstehen. Er wollte Prognosen entwickeln können und voraussagen, wie noch unbekannte Gebiete aussehen und noch unentdeckte Phänomene sich verhalten. Sein überwältigendes Wissen gab ihm dazu eine Grundlage. Seinen Wissensdurst konnte er aber erst stillen, als er erkannte, dass es auf die Zusammenhänge und Beziehungen zwischen den einzelnen Phänomenen ankommt. So konnte er ein Modell der Botanik in den Bergen entwerfen und die Pflanzen in den verschiedenen Klimazonen erklären. Alexander von Humboldt konnte prognostizieren, welche Pflanzen an ganz anderen Orten der Welt wachsen werden und ein Modell des Zusammenhangs zwischen Erdbeben, Vulkanausbrüchen und der Elektrizität in der Luft entwerfen. Erst mit der Erkenntnis, dass es auf die Zusammenhänge ankommt, konnte er sein Werk – den „Kosmos“ vollenden.

„Alles ist Wechselwirkung“, schreibt er in sein Reisetagebuch.

Wir unterrichten Kinder heute mit dem Wissen der Gegenwart und mit den Mitteln, die uns heute zur Verfügung stehen. Mit diesen Mitteln bereiten wir sie auf die Welt von Morgen vor. Unser Anspruch ist, dass die Kinder und Jugendlichen in der zukünftigen Welt souverän handeln – in einer Welt, die wir heute noch nicht kennen. Wie ist das möglich?
Es ist möglich, da wir uns an unserem Namensgeber orientieren: Wir wecken Neugierde und vermitteln Wissen. Vor allem ermöglichen wir unseren Schülerinnen und Schülern die Zusammenhänge zu entdecken und zu verstehen, warum die Welt so ist, wie sie ist. Wir ermutigen sie dazu, die so entstehenden Systeme zu erweitern und auf neue Phänomene zu übertragen. Wir ermutigen sie zur Kreativität und zum souveränen Umgang mit der Erkenntnis dieser Systeme. So bereiten wir sie auf die zukünftige Welt vor und darauf, ihr Wissen und ihr Verständnis von Systemen und Zusammenhängen für ihr Handeln und Urteilen zu nutzen.